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Der Landwirtschaftlichen Forschungsrat (LFR) hat sich an seiner Herbstsitzung 2012 insbesondere mit forschungspolitischen Prozessen und Entscheiden sowie einer möglichen Allianz der Agrar- und Ernährungsforschung befasst.
Forschungspolitische Prozesse und Entscheide
Der LFR informierte sich über die BFI-Botschaft vom 22. Februar 2011 sowie über deren Relevanz für die Agrarforschung. Die diesbezüglichen Chancen für die Agrarforschung liegen (a) in Projekten, welche durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und/oder die Förderagentur für Innovation (KTI) (mit-)finanziert werden, (b) in der Zusammenarbeit mit Institutionen wie ETH, Universitäten, Fachhochschulen.
Im Rahmen der Botschaft zur Totalrevision des Forschungs- und Innovationsförderungsgesetzes vom 9. Nov. 2011 werden u.a. die Aufgaben, Koordination sowie die Qualitätssicherung in der Ressortforschung des Bundes geklärt. Ressortforschung ist Forschung, welche von der Bundesverwaltung initiiert wird, weil diese die Resultate dieser Forschung zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigt. Agroscope ist Teil der Ressortforschung des Bundes.
Der Bundesrat hat im Rahmen des Konsolidierungsprogramms Ressortforschung auf Budgetkürzungen bei Agroscope und FiBL verzichtet. Der LFR begrüsst diesen Entscheid.
Im Postulat Müller-Altermatt wird eine Stärkung der Forschung für eine ökologische Land- und Ernährungswirtschaft beantragt. Das Postulat wurde von Bundesrat und Parlament akzeptiert. Im Rahmen des zu erstellenden Prüfberichts wird es insbesondere darum gehen eine Erhöhung der finanziellen staatlichen Mittel zu Gunsten des FiBL zu prüfen.
Allianz der Agrar- und Ernährungsforschung SAEFA
Im Forschungskonzept Land- und Ernährungswirtschaft 2013-2016 wird zur Stärkung der Agrar- und Ernährungsforschung die Gründung einer Allianz zwischen den in diesen Bereichen aktiven Forschungsinstitutionen vorgeschlagen. Der Vorschlag basiert auf einer Empfehlung der an der Bearbeitung des Forschungskonzepts beteiligten Expertengruppe.
Der LFR beteiligt sich nicht an der Gründung einer Agrar- und Ernährungsforschungsallianz und empfiehlt dem BLW, nicht aktiv zu werden, solange kein Bedürfnis nach einer Allianz durch eine überzeugende bottom-up Initiative geäussert wird. Das BLW hat diesen Entscheid der erwähnten Expertengruppe mitgeteilt.
Der Landwirtschaftliche Forschungsrat hat sich an seiner Frühjahrssitzung 2012 insbesondere mit dem Forschungskonzept Land- und Ernährungswirtschaft 2013-2016, der Reorganisation von Agroscope und mit drohenden Budgetkürzungen bei der Ressortforschung auseinander gesetzt.
Forschungskonzept Land- und Ernährungswirtschaft 2013-2016
Der erste Teil des Forschungskonzepts gibt einen Überblick über die Schweizer Agrar- und Ernährungsforschung. Fernziel und thematische Stossrichtung für die Forschung sowie institutionelle Ziele und Massnahmen wurden zusammen mit Vertretern bedeutender Schweizer Forschungsinstitutionen erarbeitet. Es handelt sich dabei um Empfehlungen, da es keine Instanz gibt, welche die Schweizer Agrar- und Ernährungsforschung als Gesamtes regelt. So liegen die Zuständigkeiten einerseits beim Bund, bei den Kantonen und Privaten sowie anderseits innerhalb des Bundes bei verschiedenen Departementen und Ämtern. Der LFR begrüsst die Empfehlungen insbesondere die Vernetzung wichtiger Schweizer Forschungsinstitutionen im Agar- und Ernährungsbereich und unterstützt die Bildung einer Allianz.
Im zweiten Teil des Forschungskonzepts wird die mittelfristige Strategie der BLW-Ressortforschung, zu der Agroscope gehört, beschrieben.
Reorganisation von Agroscope
Im Rahmen des Projekts NEW AGROSCOPE wird die Führungsstruktur der Gesamtorganisation von Agroscope angepasst. Folgende Eckpunkte sind von besonderer Bedeutung:
Das Projekt ist gemäss Einschätzung des LFR auf gutem Weg
Die Schwerpunkte sind richtig gesetzt. Besondere Beachtung braucht die Kommunikation, damit die Motivation der Mitarbeitenden in der Übergangsphase hoch bleibt und ein zeitbeanspruchender Kulturwechsel optimal erfolgen kann. Der Masterplan und eventuelle Änderungen im zeitlichen Ablauf sind den Mitarbeitenden aktiv zu kommunizieren und es sollen regelmässige Informationsanlässe stattfinden.
Drohende Budgetkürzungen in der Ressortforschung des Bundes
Als Land mit wenigen natürlichen Ressourcen baut die Schweiz auf die intellektuelle Kompetenz und innovative Schaffenskraft ihrer Einwohnerinnen und Einwohner. Die starke Volkswirtschaft wie auch die internationale Bedeutung des Forschungsplatzes Schweiz zeugen vom Erfolg der getätigten Investitionen in Bildung und Forschung.
Der Agrar- und Ernährungssektor der Schweiz steht vor grossen und teilweise ganz neuen Herausforderungen:
Eine innovative Forschung mit modernen Infrastrukturen und ein effizienter Wissensaustausch und Technologietransfer sind unabdingbar für die Bewältigung dieser und weiterer Herausforderungen. Sie sind eine notwendige Voraussetzung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Sektors und eine notwendige Stütze für die Ernährungssicherheit der Schweiz. Budgetkürzungen in der landwirtschaftlichen Ressortforschung stehen aus Sicht des LFR in klarem Widerspruch zu den vitalen Bedürfnissen unseres Landes, insbesondere eines innovativen Agrar- und Ernährungssektors. Der LFR spricht sich einhellig gegen die im Rahmen des Konsolidierungsprogramms des Bundesrates geplanten Budgetkürzungen in der Ressortforschung aus. Es ist im Gegenteil eine Verstärkung der Forschung zugunsten einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft notwendig.
Agroscope steht unter anhaltendem Spardruck und musste bereits verschiedene Sparprogramme umsetzen. Eine weitere Kürzung der Mittel wäre mit einem einschneidenden Stellenabbau und der Schliessung von Forschungsstandorten verbunden. Gleichzeitig wird Agroscope mit neuen Forschungsaufgaben zur Bewältigung der oben erwähnten Herausforderungen konfrontiert.
Eine wesentliche Stärke von Agroscope ist die Kombination von Forschungs- und Entwicklungsleistungen mit wissenschaftsbasierten Entscheidungsgrundlagen für die Gesetzgebung (Politikberatung) und ebensolcher Unterstützung des Vollzugs von gesetzlichen Aufgaben. In Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Peer Reviews der letzten Jahre hebt der LFR die qualitativ überzeugenden Leistungen von Agroscope hervor. Ein entsprechendes finanzielles Engagement des Bundes ist Voraussetzung, damit diese Leistungen auch in Zukunft erbracht werden können.
Der LFR empfiehlt dem Bundesrat eindringlich, aus den genannten Gründen auf eine Kürzung der Mittel für die Ressortforschung zu verzichten.
Für weitere Auskünfte:
Dr. Alfred Buess, Präsident des Landwirtschaftlichen Forschungsrates
Tel. +41 31 910 21 11, alfred.buess@shl.bfh.ch
Urs Gantner, Bundesamt für Landwirtschaft,
Tel. +41 31 322 25 74, urs.gantner@blw.admin.ch
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