Zukunftsbild 2050: Entwicklungsszenarien für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft
Der Bundesrat hat ein langfristiges Zukunftsbild für die Schweizer Agrar- und Ernährungswirtschaft entwickelt. Modellsimulationen zeigen mögliche Entwicklungen bis 2050 auf und verdeutlichen sowohl Chancen als auch Herausforderungen bei der Umsetzung der gesetzten Ziele.

Ziele für den ganzen Ernährungssektor
Der Bundesrat hat am 22. Juni 2022 einen Bericht zur «Zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik» verabschiedet. Darin hat er im Sinne einer langfristigen Vision ein Zukunftsbild der Land- und Ernährungswirtschaft für das Jahr 2050 formuliert. Dieses dient als Orientierungsrahmen für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik. Es wurde gemeinsam mit Akteuren entlang der gesamten Agrarwertschöpfungskette erarbeitet. Es enthält Ziele für den ganzen Ernährungssektor. Dazu zählen insbesondere ein Selbstversorgungsgrad von mindestens 50 Prozent, eine Reduktion des ökologischen Fussabdrucks, eine höhere Wertschöpfung in der Land- und Ernährungswirtschaft sowie eine Ernährung, die sich an den Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide orientiert.
Modellsimulationen für verschiedene Szenarien
Um abzuschätzen, wie sich das Zukunftsbild 2050 auf die Schweizer Landwirtschaft auswirken könnte, hat Agroscope im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) Modellsimulationen für verschiedene Szenarien durchgeführt. Zudem wurden die Folgen für die Wertschöpfung in den vor- und nachgelagerten Bereichen von der Firma EBP analysiert. Eine weitere Studie des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) betrachtete die volkswirtschaftlich relevanten Umwelt- und Gesundheitskosten. Die Ergebnisse der drei Studien zeigen, wie sich die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft in den jeweiligen Szenarien entwickeln könnte.
Ziele grundsätzlich erreichbar
Die Modellsimulationen von Agroscope machen deutlich, dass die im Zukunftsbild 2050 beschriebenen Ziele grundsätzlich erreichbar sind. So kann der Selbstversorgungsgrad trotz Bevölkerungswachstum substanziell gesteigert werden. Gleichzeitig ist eine leichte Erhöhung des landwirtschaftlichen Einkommens pro Familienarbeitskraft möglich. Zudem können auch die Umweltwirkungen reduziert werden, insbesondere die Treibhausgasemissionen und Nährstoffverluste. Und weiter lässt sich auch die Gesundheit der Bevölkerung verbessern.
Die Analyse von EBP kommt zum Schluss, dass die Wertschöpfung in den vor- und nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft insgesamt zunehmen dürfte. Die Studie des FiBL zeigt, dass die volkswirtschaftlich relevanten Umwelt- und Gesundheitskosten des Ernährungssystems substanziell sinken würden.
Herausforderungen auf Konsum- und Produktionsseite
Allerdings zeigen die Modellergebnisse auch, dass die im Zukunftsbild skizzierten Ziele nur dann erreicht werden, wenn eine deutliche Verschiebung weg von tierischen hin zu pflanzlichen Lebensmitteln stattfindet – sowohl auf Konsum- als auch auf Produktionsseite. In den entsprechenden Modellszenarien gehen deshalb insbesondere die Bestände an Schweinen und Mutterkühen zurück. Gleichzeitig zeigen die Simulationen, dass die Risiken des Pflanzenschutzmitteleinsatzes ansteigen, insbesondere weil pflanzenschutzintensive Kulturen wie Gemüse und Früchte ausgedehnt werden.
Entwicklungen von Konsumverhalten abhängig
Die Ergebnisse der drei Studien zeigen wie erwähnt gesellschaftlich positive aber auch kritische Entwicklungen auf und machen damit bestehende Zielkonflikte sichtbar. Die aufgezeigten Entwicklungen hängen stark von der Annahme ab, dass sich die Ernährung der Bevölkerung künftig an den Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide orientiert. Falls die Konsumierenden ihr Verhalten nicht aus eigenem Antrieb in diese Richtung ändern, sind keine staatlichen Eingriffe vorgesehen. Zentral ist bei der Weiterentwicklung der Agrarpolitik, dass die realpolitischen Gegebenheiten berücksichtigt werden und für die Bäuerinnen und Bauern sowie für die gesamte Ernährungswirtschaft ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogene Lösungen gefunden werden.