Gesamtmeliorationen und Bewirtschaftungsarrondierungen

Beschrieb und Begriffe

Die Landumlegung ist der wichtigste Teil der Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur im ländlichen Raum. Meist wird sie im Rahmen eines Bodenverbesserungsprojektes in Anlehnung an die Beschreibung im Eidgenössischen Zivilgesetzbuch (Art. 703 ZGB) eingesetzt. Andere verwendete Oberbegriffe, die eine Landumlegung beinhalten können, sind: Melioration, Gesamtmelioration, Integralmelioration, Moderne bzw. zeitgemässe Melioration, Güterzusammenlegung, Güterregulierung, usw.

Landumlegung / Gesamtmelioration

Das Ziel einer Landumlegung besteht in der Zusammenführung von vielen kleinen Grundstücken zu grösseren Parzellen, welche zudem näher beim Betriebszentrum zu liegen kommen. Zusammen mit weiteren Bodenverbesserungen (Wegebau etc.) wird die Bewirtschaftung entscheidend erleichtert und die Produktionskosten können deutlich reduziert werden. Neben diesem Hauptanliegen können folgende weitere Anliegen mit der Durchführung einer Landumlegung / Gesamtmelioration umgesetzt werden:

  • Landerwerb für öffentliche Werke wie Wege und Strassen, Gewässer, Hochwasserschutzanlagen, Bahnen, Energieanlagen, solche im Zusammenhang mit Naturschutzanliegen, Infrastrukturanlagen der Gemeinden usw.
  • Abstimmung und Hilfe zur Umsetzung von kommunalen Nutzungsplänen, Richtplänen und übergeordneten Renaturierungs- und Vernetzungskonzepten
  • Verlegung von Landwirtschaftsbetrieben ins Zentrum der zu bewirtschaftenden Flächen sowie Entflechtung Bau- / Landwirtschaftszone.
  • Ausscheidung von Flächen für die Förderung der Biodiversität und Realisierung von ökologischen Ersatzmassnahmen
  • Grundlage für eine Neuvermessung der Grundstücke zur Sicherung des Grundeigentums und die Bereinigung der beschränkten dinglichen Rechte.

Eine heutige Landumlegung wird in der Regel mit der Arrondierung des Pachtlandes ergänzt (siehe nachfolgender Text).

Bewirtschaftungs- oder Pachtlandarrondierung

Anstelle der Änderung der Eigentumsverhältnisse und der Parzellenstruktur wie bei konventionellen Landumlegungen werden bei der Bewirtschaftungsarrondierung nur die Bewirtschaftungsverhältnisse angepasst. Sämtliche Grundeigentümer behalten das Eigentum an ihren Flächen. Die Bewirtschaftungsarrondierung begünstigt eine einfachere Bewirtschaftung und steigert die Effizienz durch die Senkung des Zeit- und Kostenaufwandes aufgrund der Rationalisierung des Personal-, Maschinen- und Materialeinsatzes der Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen. Synonym zum Ausdruck Bewirtschaftungsarrondierung wird teilweise der Begriff „Pachtlandarrondierung„ verwendet. Da eine echte Bewirtschaftungsarrondierung nicht nur das Pacht-, sondern auch das Eigenland der Bewirtschafter miteinbezieht, ist der Begriff Bewirtschaftungsarrondierung zutreffender.
Gemäss der eidgenössischen Verordnung über die Strukturverbesserungen in der Landwirtschaft (SVV) besteht die Möglichkeit, an Verpächter, die ihr Land einer Pachtlandorganisation zur Weiterverpachtung abtreten, einen Beitrag zu gewähren. Nach Art. 15 SVV gewährt der Bund „eine einmalige Entschädigung bis höchstens 1200 Franken pro Hektar an Verpächter und Verpächterinnen für das Recht zur Weitergabe des Pachtlandes durch eine Pachtlandorganisation, sofern das Pachtland 12 Jahre zur Verfügung gestellt wird.“ Damit wird eine Möglichkeit geschaffen, über eine Pachtlandorganisation (Pachtpool, Genossenschaft, Gemeinde) das Pachtland bei Änderungen an der Bewirtschaftersituation optimal an die neuen Verhältnisse anzupassen.

Freiwillige Bewirtschaftungsarrondierung (FBA)

Die FBA ist ein Instrument des Landmanagements zur Optimierung und Anpassung der Bewirtschaftung und Nutzung des ländlichen Raums. Sie basiert ausschliesslich auf einer freiwilligen Teilnahme der Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen und berücksichtigt deren Pacht- und Eigenland. Die Arrondierung und Verlagerung von Bewirtschaftungsformen wird nur auf der Ebene des Pachtlandes bzw. in Pachtverträgen festgeschrieben. Die Grenzen des Grundeigentums bleiben unverändert, bauliche Massnahmen werden in diesem Verfahren keine durchgeführt. Die FBA ist ein einfaches, im Vergleich zu Landumlegungen kostengünstiges und rasch wirksames Verfahren, um die Produktionskosten zu reduzieren und ökologische Entwicklungen im ländlichen Raum zu ermöglichen.

Methoden und Verfahren

Das Eidg. Zivilgesetzbuch delegiert mit (Art. 703 ZGB) die Verfahrensabläufe an die Kantone (vgl. auch Kap. 120 Verfahren und Abläufe, wikimelio).
Bei Flächen über 400 ha ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchzuführen.

Weiterführende Informationen

Letzte Änderung 28.06.2016

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