Bewertung agrarpolitischer Entwicklungen

Die OECD beschreibt und bewertet jedes Jahr agrarpolitische Entwicklungen in ihren Mitglieds- und weiteren Partnerländern.

Mit diesem jährlich publizierten Bericht werden agrarpolitische Entwicklungen in den Mitgliedsländern und weiteren Partnerländern beschrieben und bewertet. Ein Schwerpunkt bildet die klare und möglichst eindeutige Analyse der Niveaus und Zusammensetzung der Agrarstützung in den Ländern mit Indikatoren wie Producer Support Estimate (PSE). Zielpublikum dieses Berichts sind Regierungen, aber auch Medien, Forschende, NGOs und weitere Interessierte.

Die mittlerweile über 50 analysierten Staaten verfolgen mehrheitlich ähnliche Ziele mit ihrer Agrarpolitik, z.B.

  • einen zuverlässigen Zugang zu sicheren, gesunden und nahrhaften Lebensmitteln ermöglichen
  • die Produzenten in die Lage versetzen, ihren Lebensstandard durch ihre Geschäftstätigkeit entsprechend von Marktbedürfnissen zu verbessern
  • einen Beitrag zur Sicherstellung guter Lebensbedingungen für die ländliche Bevölkerung leisten, insbesondere durch die Bereitstellung einer Reihe von Ökosystemleistungen
  • die Anpassungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Haushalte gegenüber Risiken verbessern
     

Allerdings gewichten die Länder diese Ziele unterschiedlich und verfolgen somit verschiedene Lösungsansätze, was sich in unterschiedlichen Politikmixen niederschlägt. Zudem bilden die jüngst verabschiedeten Abkommen und Verhandlungen im Rahmen der Agenda 2030 (inkl. SDGs), der COP21 sowie der WTO-Ministerrunde in Nairobi einen wichtigen internationalen Rahmen für die verschiedenen landwirtschaftlichen Sektorpolitiken.

Die OECD vergleicht in ihrem jährlichen Agricultural Policy Monitoring and Evaluation Bericht insbesondere auch die Niveaus der Agrarstützungen. Ein Schwerpunkt bildet die klare und möglichst eindeutige Analyse der Agrarstützung in den Ländern mittels verschiedener Indikatoren. Beispielsweise wird das Erzeugerstützungsmass (PSE, Producer Support Estimate) für einheitliche und vergleichbare Informationen zu Niveau und Struktur der Agrarstützung verwendet.
Zielpublikum des jährlichen Berichts sind Regierungen, aber auch Medien, Forschende, Nichtregierungsorganisationen und weitere Interessierte.

Die OECD empfiehlt generell:

  • Auf Kohärenz nationaler Politiken und Massnahmen muss geachtet werden
  • Politische Massnahmen müssen transparent, zielgerichtet, angemessen, flexibel, konsistent und ausgewogen sein vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Gelder
  • Innovationen gilt als ein wichtiger Fokus für ein nachhaltiges Produktivitätswachstum
     

Gemäss OECD-Bericht 2016 hat die Schweiz neben Island, Japan, Korea, Norwegen eine der höchsten Agrarstützungen der verglichenen Länder (gemessen als prozentuales PSE). Knapp 60% der Bruttoeinnahmen der Schweizer Landwirtschaft stammen aus öffentlichen Transfers entweder vom Verbraucher oder vom Steuerzahler (OECD-Schnitt 17%). Allerdings unterscheidet sich die Struktur der Agrarstützung zwischen den Ländern deutlich. In der Schweiz gelten ca. 50% der öffentlichen Transfers als besonders marktverzerrend (most distorting support).
Die seit Anfang der 1990er Jahre durchgeführten agrarpolitischen Reformen in der Schweiz haben die Marktverzerrungen allerdings massgeblich verringert. Die preisstützenden Massnahmen wurden in produktionsunabhängige und zunehmend zielgenauere Direktzahlungen umgelagert. Dennoch bleibt das Niveau der Agrarstützung in der Schweiz hoch im Vergleich mit anderen Ländern.

Das Erzeugerstützungsmass (PSE, Producer Support Estimate) der OECD ist für den internationalen Vergleich von Agrarpolitiken ein breit anerkannter und viel verwendeter Indikator. Alternative Indikatoren und Datengrundlagen fehlen. Nichts desto trotz gilt es folgende Punkte bei der Interpretation dieses Indikators zu beachten:
 

  • Mit dem PSE wird die Stützung der Landwirtschaft absolut (in CHF) und relativ (in % zum Produktionserlös) geschätzt. Das PSE sagt aber nichts aus über das Kostenumfeld und die Kaufkraft in den verschiedenen Ländern. Daher lässt es keine Aussagen zu, wie stark das landwirtschaftliche Einkommen (Erlös-Kosten) durch staatliche Interventionen gestützt wird und wie viel der übrigbleibende Franken bzw. Dollar für den Landwirt und seine Familie im entsprechenden Land wert ist.

  • Die jährlichen Zu- und Abnahmen des berechneten Grenzschutzes sind oft nicht auf Änderungen beim Grenzschutzregime (z.B. Erhöhung oder Senkung der Zölle) zurückzuführen. Vielmehr beeinflussen exogene Faktoren (wie die Preisentwicklung auf den internationalen Agrarmärkten und/oder Kurs- und Währungsschwankungen) kurz- und mittelfristig die Höhe des Grenzschutzes. So ist der errechnete Grenzschutz für die Schweiz seit 2013 v.a. aufgrund des Erstarkens des Schweizer Frankens infolge der Nationalbankentscheide substanziell angestiegen.

     

Die hohe Kaufkraft, die Zahlungsbereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten (insbesondere für Schweizer Produkte) und die hohen Strukturkosten (z.B. Löhne) führen in der Schweiz nicht nur im Lebensmittelsektor zu einem höheren Preisumfeld als im Ausland. Diese strukturell bedingten Preisdifferenzen sind daher nur bedingt auf den Grenzschutz zurückzuführen, beeinflussen aber im PSE die Höhe des berechneten Grenzschutzes.

Weiterführende Informationen

Letzte Änderung 19.07.2017

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Michael Hartmann

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