Jordan-Virus

Foto: Heike Scholz-Döbelin

Das Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV), auf Grund der Herkunft oft auch „Jordan-Virus“ genannt, trat in Europa das erste Mal im Herbst 2018 in Deutschland auf. Seither häufen sich die Meldungen von Befällen in ganz Europa und bis im April 2020 waren Befälle verschiedenen Ausmasses in den folgenden europäischen Ländern bekannt: Griechenland, Italien, Spanien, England, Frankreich und Holland. Weltweit wurden auch Befälle unter anderem aus Mexiko, Kalifornien (USA), China und der Türkei gemeldet.
In der Schweiz wurden seit Anfang 2020 ebenfalls mehrere Verdachtsfälle in verschiedenen Kantonen abgeklärt und untersucht. Ein Verdacht bestand auf Grund von internationalen Hinweisen auf möglicherweise kontaminiertes Vermehrungsmaterial (Jungpflanzen oder Samen) oder auf Grund von verdächtigen Symptomen. Bisher wurde ToBRFV in der Schweiz jedoch nicht festgestellt.
Im Rahmen der Gebietsüberwachung von Quarantäneorganismen der kantonalen Pflanzenschutzdienste werden pro rata zur gesamten Fläche an Gewächshauskulturen Tomatenpflanzen auf Symptome untersucht und von Tomatenpflanzen mit verdächtigen Symptomen Proben entnommen und untersucht. Betriebe, welche für den Pflanzenpass zugelassen sind, werden ihrerseits durch den Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst kontrolliert.

Rechtliche Bestimmungen

Seit dem 1. November 2019 gibt es in der EU einen Durchführungsbeschluss, welcher Dringlichkeitsmassahmen zum Schutz der EU gegen die Einschleppung und Verbreitung des ToBRFV definiert. Um der raschen Entwicklung Rechnung tragen zu können und eine einheitliche Handhabe in ganz Europa zu haben, wurde mit der letzten Anpassung der Verordnung des BLW über phytosanitäre Massnahmen für die Landwirtschaft und den produzierenden Gartenbau (VpM-BLW) Bestimmungen für die Schweiz erlassen. Damit wird der Umgang mit dem Virus bzw. dessen spezifizierten Wirtspflanzen geregelt. Seither gilt ToBRFV in der Schweiz als «potenzieller Quarantäneorganismus» und ist somit melde- und bekämpfungspflichtig. Die Regulierung in der Schweiz beruht auf dem Durchführungsbeschluss der EU. Die darin festgehaltenen Massnahmen gelten vorerst bis zum 31. März 2022. Sie können angepasst und, falls nötig, verlängert werden.  

Wirtspflanzen

Gemäss wissenschaftlichen Studien und Beobachtungen werden Pflanzen aus den Familien der Solanaceae und Amaranthaceae befallen. In erster Linie Tomaten (Solanum lycopersicum) und Paprika/Peperoni (Capsicum annuum). Scheinbar können aber auch Zierpflanzen sowie verschiedene Unkräuter (z. B. schwarzer Nachtschatten) befallen sein. Die Kartoffel ist nach jetzigem Wissensstand keine Wirtspflanze von ToBRFV.

Einfuhr, Ausfuhr und Inverkehrbringen von Saat- und Pflanzgut

Um die Verschleppung des Virus zu vermeiden, gelten für den Transfer und den Handel von Samen und Pflanzen von Tomaten und Peperoni spezifische Regeln. Pflanzen und zum Anpflanzen bestimmte Pflanzenteile (inkl. Samen) von Tomaten und Peperoni dürfen nur dann verbracht werden, wenn sie von einem Pflanzenpass begleitet werden. Sämtliches Tomaten- und Peperonisaatgut (Produktion ab 2020) muss mit einem Pflanzenpass versehen sein. Dies gilt auch, wenn das Saatgut nicht zu landwirtschaftlichen Zwecken und an Privatpersonen («Hobbytüten») abgegeben wird. Nur die direkte Abgabe an Privatpersonen vor Ort ist nicht pflanzenpasspflichtig (im Fernabsatz, z. B. im Onlinehandel, gilt die Pflanzenpasspflicht). Dafür müssen Pflanz- und Saatgut aus amtlich anerkannten befallsfreien Gebieten stammen. Ist dies nicht möglich, muss zumindest der Produktionsort als befallsfrei gelten und amtlich ausgewiesen sein. Saatgut muss amtlich beprobt und im Labor getestet werden und als befallsfrei deklariert worden sein. 


Für die Einfuhr aus Nicht-EU-Ländern von Pflanzen und zum Anpflanzen bestimmten Pflanzenteilen (inkl. Samen) von Tomaten und Peperoni braucht es ein Pflanzengesundheitszeugnis mit zusätzlichen Erklärungen zur Befallsfreiheit am Ursprungsort. Ausserdem werden alle Sendungen mit zum Anpflanzen bestimmten Pflanzen am Eintrittsort in den gemeinsamen europäischen phytosanitären Raum oder am Bestimmungsort amtlich kontrolliert.

 

Weiterführende Informationen

Letzte Änderung 12.08.2020

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Kontakt

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