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Veröffentlicht am 4. Dezember 2024

Statistiken und Analysen

Der landwirtschaftliche Aussenhandel der Schweiz erzielte im Jahr 2024 einen bisher unerreichten Höchstwert. 2024 exportierte die Schweiz landwirtschaftliche Produkte im Wert von 10,7 Milliarden Franken, was 4 Prozent ihrer Gesamtexporte entspricht. Im selben Jahr beliefen sich die Agrarimporte auf 15,5 Milliarden Franken oder 7 Prozent der Gesamtimporte. Das Handelsbilanzdefizit in Höhe von 4,8 Milliarden Franken verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent, da das Wachstum der Importe stärker war als das der Exporte. Somit ist die Handelsbilanz auf einem historischen Tiefstand angelangt.

Auf einem Tisch liegen ausgedruckte Statistiken und Grafiken, Stifte, eine Lupe und eine Brille.

Agraraussenhandel

Die landwirtschaftlichen Tariflinien entsprechen denjenigen, die mit der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbart wurden. Darunter fallen auch alle Kapitel ab Kapitel 25 des Harmonisierten Systems zur Bezeichnung und Codierung von Waren (World Customs Organization), die sowohl landwirtschaftliche Erzeugnisse als auch Industrieprodukte umfassen. Davon wurden ausschliesslich die landwirtschaftlichen Erzeugnisse berücksichtigt.

Aussenhandel auf hohem Niveau

Im Jahr 2024 nahmen sowohl die Exporte als auch die Importe zu. Die Agrarexporte beliefen sich auf 10,68 Milliarden Franken, was einer Differenz von 4,8 Milliarden Franken gegenüber den Importen (15,47 Mrd. Fr) entspricht. Die Importe erzielten einen bisher unerreichten Höchstwert. Die Agrarhandelsbilanz 2024 verschlechterte sich im Vorjahresvergleich um 10,8 Prozent und ist somit auf einem historischen Tiefstand angelangt. Grund dafür ist der Anstieg der Importe um 4,4 Prozent, der höher ausfiel als der Anstieg der Exporte (1,8 %).

Die Zunahme der Exporte (+192 Mio. Fr.), die im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen war, ist insbesondere auf Kaffee (+186 Mio. Fr.) und auf Schokolade (+138 Mio. Fr.) zurückzuführen. Diese Steigerung ist grösser als der Rückgang der Exporte, der sich bei den Zubereitungen auf der Grundlage von Getreide (‒86 Mio. Fr.) und Getränken (‒83 Mio. Fr) ergab.

Bei den Importen fiel die Zunahme dreimal höher aus (+659 Mio. Fr.). Besonders stark zugelegt haben Kakao (+337 Mio. Fr.) und Kaffee (+120 Mio. Fr.). Detaillierte Daten sind in der schweizerischen Aussenhandelsstatistik (AHST) einsehbar. Der grenzübergreifende Einkaufstourismus ist darin nicht berücksichtigt.

Statistik von 2020 bis 2024 der Schweizer Importe und Exporte Agrarhandel

Zwei Drittel des Schweizer Aussenhandels finden mit der Europäischen Union (EU) statt

Die EU27 ist nach wie vor die wichtigste Agrarhandelspartnerin der Schweiz. 2024 betrug der Anteil der Importe aus der EU 73 Prozent, derjenige der Exporte in die EU 51 Prozent.  Beim Anteil am Gesamthandel (Import und Export) machte der Handel mit der EU 64 Prozent aus..

Tabelle des Agrarhandels mit und ausserhalb der Europäischen Union 2024

Besonders hoch waren 2024 die Importe von Rotwein in Flaschen aus der EU (617 Mio. Fr.). Auf der Exportseite fiel vor allem das Geschäft mit geröstetem Kaffee stark ins Gewicht (1,3 Mrd. Fr.). Deutschland, Frankreich und Italien allein machen zusammen 62 Prozent des Handels mit der EU aus. Die Agrarhandelsbilanz der Schweiz mit diesen drei Ländern ist (wie mit der EU insgesamt) negativ. Für die Vereinigten Staaten von Amerika, das Vereinigte Königreich und Kanada besteht eine positive Handelsbilanz in Höhe von 1245, 426 respektive 342 Millionen Franken. Der Handelsüberschuss mit den Vereinigten Staaten war im Jahr 2024 höher als der Handelsüberschuss mit allen Nicht-EU-Ländern zusammen. Diese Leistung konnte durch Exporte von Kaffee (1 Mrd. Fr.), Limonade (130 Mio. Fr.) und Käse (112 Mio. Fr.) in die USA erzielt werden.

Statistik Import und Export der zehn wichtigsten Aussenhandelspartner der Schweiz 2024

Handelsbilanz für Milchprodukte auf historischem Tiefstand

36 Prozent des landwirtschaftlichen Aussenhandels (Import + Export) entfallen 2024 auf Kaffee, Tabak, Pflanzenextrakte (Kapitel 9, 13 und 24 des Harmonisierten Systems zur Bezeichnung und Codierung der Waren) und Getränke (Kapitel 22).

Der Handelsbilanzüberschuss fällt bei Kaffee, Tabak und Pflanzenextrakten (Kapitel 9, 13 und 24) mit 2,1 Milliarden Franken besonders hoch aus. Im Gegensatz dazu weisen Lebensmittelzubereitungen, darunter Schokolade (Kapitel 18 und 21), einen zwölfmal geringeren Exportüberschuss auf (166 Mio. Fr.). Besonders negativ ist die Handelsbilanz wiederum bei Obst, Gemüse und lebenden Pflanzen (Kap. 6, 7, 8 und 20; ‒3,4 Mrd. Fr.), bei Getreide und Getreideprodukten (Kap. 10, 11, 19; ‒821 Mio. Fr.) sowie bei Fleisch und Fleischprodukten (Kap. 2 und 16; ‒783 Mio. Fr.).

Die Handelsbilanz für Milchprodukte, Eier und Honig (Kapitel 4) fiel 2024 ‒ wie im Vorjahr ‒ zum zweiten Mal seit mindestens 35 Jahren negativ aus (‒20 Mio. Fr.). Dies ist auf die Handelsbilanz für Milchprodukte zurückzuführen, die 2024 zwar noch positiv ausfiel, aber auf einem tiefen Niveau ist (130 Mio. Fr.). Sie entspricht nur noch 41 Prozent des im Zeitraum 1990‒1992 beobachteten Niveaus (319 Mio. Fr.).

Graphik Aussenhandel mit Agrargütern 2024 nach Produkten in absteigende Reihenfolge

Veredelungsverkehr

Der Veredelungsverkehr ist ein wesentlicher Bestandteil des landwirtschaftlichen Aussenhandels der Schweiz.

Der aktive Veredelungsverkehr umfasst die vorübergehende Einfuhr von ausländischen Waren zur Be- oder Verarbeitung in der Schweiz und ihre anschliessende Wiederausfuhr. Im Jahr 2024 importierte die Schweiz im Rahmen des regulären aktiven Veredelungsverkehrs landwirtschaftliche Produkte im Wert von 251 Millionen Franken, was 2 Prozent der gesamten Schweizer Agrarimporte (15,5 Mrd. Fr.) entspricht. Das sind 60 Prozent mehr als im Jahr 2002. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Zucker (ausgenommen Saccharose), Rindfleisch ohne Knochen für die Herstellung von Bündnerfleisch, pflanzliche Fette und Öle, Molke, Butter und andere Milchfette sowie Milchpulver. Letzteres erlebt ein starkes Wachstum. Ebenfalls im Jahr 2024 reexportierte die Schweiz im Rahmen dieses Veredelungsverkehrs Agrarprodukte im Wert von 1,9 Milliarden Franken, was 18 Prozent ihrer gesamten Agrarexporte (10,7 Mrd. Fr.) entspricht. Das sind 67 Prozent mehr als im Jahr 2002. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Limonade, Zubereitungen für die Ernährung von Kindern, Schokolade, Zigaretten, andere Lebensmittelzubereitungen, gefüllte Teigwaren, Riechstoffe und getrocknetes Rindfleisch. Zu diesen Handelszahlen des regulären aktiven Veredelungsverkehrs kommen noch diejenigen des besonderen Verfahrens hinzu.

Grafik einer Auswahl an Importen im aktiven Veredlungsverkehr 2002 - 2024

Der passive Veredelungsverkehr umfasst die Be- und Verarbeitung von Waren inländischen Ursprungs ausserhalb der Schweiz und ihre anschliessende Wiedereinfuhr. Diese Warenströme fallen weniger ins Gewicht als die des aktiven Veredelungsverkehrs. Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz im Rahmen des passiven Veredelungsverkehrs landwirtschaftliche Exporte in Höhe von 35 Millionen Franken abgewickelt, was 0,3 Prozent der gesamten Agrarexporte der Schweiz entspricht. Dies sind 90 Prozent mehr als im Jahr 2002. Die wichtigsten betroffenen Produkte sind Weizenmehl, eingedickter Milchrahm, Kartoffeln sowie Geflügel- und Schweinefleisch. Die Wiedereinfuhren im Rahmen des passiven Veredelungsverkehrs beliefen sich 2024 auf 71 Millionen Franken, was 0,5 Prozent der gesamten schweizerischen Agrareinfuhren darstellt. Dies entspricht einem Anstieg von 184 Prozent gegenüber 2002. Der grösste Anteil entfiel dabei auf Backwaren, Kartoffeln in Form von Chips oder Pommes frites, Geflügel- und Schweinefleischzubereitungen sowie Milchrahm.

Zollansatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse bei durchschnittlich 4,9 Prozent

Im Jahr 2024 wurden 49 Prozent der Schweizer Agrarimporte zollfrei eingeführt, dies in erster Linie auf Basis des Nullzollansatzes gegenüber sämtlichen Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO), des Präferenzzollansatzes gegenüber der EU oder im Rahmen von Zollerleichterungen für besondere Verwendungszwecke von Importware. Ferner wurde die Zollfreiheit im Rahmen von Freihandelsabkommen mit Drittländern, zugunsten von Entwicklungsländern und für den Veredelungsverkehr gewährt. Der gewichtete durchschnittliche Bruttozollansatz belief sich für die Gesamtheit der importierten Agrarprodukte auf 4,9 Prozent des Importwerts. Dieser relativ tiefe Durchschnittsansatz erklärt sich unter anderem dadurch, dass Waren auch zum Kontingentszollansatz eingeführt werden können, der definitionsgemäss niedriger ist als der Ausserkontingentszollansatz.

Tabelle der Importwerte und Bruttozölle sämtlicher Agrarprodukte 2024

Häufig gestellte Fragen

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