Flavescence dorée
Die Goldgelbe Vergilbung (kurz GGV) oder Flavescence dorée (kurz FD) ist eine gefährliche Krankheit der Rebe. Sie wird durch das Grapevine flavescence dorée Phytoplasma (oder Candidatus Phytoplasma vitis), einem Bakterium ohne Zellwand, verursacht. Die Krankheit führt zum Absterben der betroffenen Rebstöcke. Eine kurative Behandlung im Feld steht zur Zeit nicht zu Verfügung.
Steckbrief
Typ: Phytoplasma
Einstufung: Quarantäneorganismus (Melde- und bekämpfungspflichtig)
Aktueller Befall in der Schweiz: Ja
Hauptwirtspflanze: Rebe
Weitere Informationen auf EPPO Global Database.
Erkennung
Aussehen des Schadorganismus
Das Phytoplasma Candidatus Phytoplasma vitis, das für die Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée) verantwortlich ist, ist ein stark vereinfachtes Bakterium ohne starre Zellwand.
Wirtspflanzen und Schadbild
Bei einem Befall verhärten sich die Blätter und rollen sich bei vielen Rebstöcken nach innen beziehungsweise unten ein. Ein weiteres typisches Symptom ist die Rotfärbung (bzw. Gelbfärbung bei weissen Rebsorten) von Blattflächen. Bei einer frühen Infektion vertrocknen die Blütenstände und fallen ab. Die Triebe zeigen eine Wachstumsverzögerung und verholzen kaum: sie bleiben grün und gummiartig.
Bei Befall ist an den Trauben ein Eintrocknen zu beobachten. Bei einer frühen Infektion verhindert der Blattfall das Beerenwachstum.

Verwechslungsgefahr
Die Symptome der Goldgelben Vergilbung (Flavescence dorée) sind ähnlich wie diejenigen der Schwarzholzkrankheit (Bois noir). Die Krankheit kann nur durch eine molekulare Analyse im Labor nachgewiesen werden.
Das Merkblatt von Agroscope kann verwendet werden, um beide Krankheit und ihre Symptome besser zu verstehen.

Verbreitung
Die lokale Übertragung der Flavescence dorée der Rebe erfolgt durch eine Zikade, Scaphoideus titanus. Dieses Insekt ist für die Ausbreitung innerhalb der Rebberge verantwortlich.
Dass sich die Krankheit über mehrere hundert Kilometer von einer Region in eine andere ausbreiten kann, ist auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Der Transport und die Pflanzung von Propfreben (Unterlagen oder Edelreiser), die mit dem Phytoplasma infiziert sind, führen, auch ohne sichtbare Symptome, zu einer direkten Einschleppung der Krankheit in neue Gebiete.
Die Zikade legt ihre Eier unter der Rinde von altem Holz ab. Der Transport von Schnittgut oder von nicht mit Warmwasser behandeltem Pflanzenmaterial kann den Vektor daher in Gebiete einbringen, in denen er bisher nicht vorkam.
Verbreitung in der Schweiz
Im Kanton Tessin ist die Flavescence dorée (FD) der Rebe seit 2004 präsent; eine Befallszone wurde dort erstmals im Jahr 2021 ausgeschieden. Die Befallszone umfasst auch einen Teil des Misox (Graubünden).
In der Genferseeregion des Kantons Waadt ist die Krankheit seit 2015 vorhanden, im Kanton Wallis seit 2020 und im Kanton Genf seit 2021.
In der Schweiz ist das Vorkommen von Scaphoideus titanus derzeit in den Rebbauregionen des Tessins, des Misox (Graubünden), sowie der Kantone Genf, Waadt und Wallis bestätigt. 2025 wurden erste Individuen auch in den Kantonen Basel‑Landschaft und Basel‑Stadt, sowie in den Kantonen Neuenburg und Aargau festgestellt.
Prävention und Kontrolle
Es gilt eine Melde- und Bekämpfungspflicht. Bei einem Verdacht ist umgehend der zuständige Kantonale Pflanzenschutzdienst zu kontaktieren.
Im Rahmen der nationalen Gebietsüberwachung überwachen die zuständigen kantonalen Dienste die GGV in Rebbergen visuell. Der Eidgenössiche Pflanzenschutzdienst führt Kontrollen beim Import von Pflanzen oder pflanzlichen Erzeugnissen durch und kontrolliert Betriebe, die für das Ausstellen von Pflanzenpässen zugelassen sind.
Weiterführende Informationen
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Kontakt bei Fragen
Eidg. Pflanzenschutzdienst EPSD
Schwarzenburgstrasse 165
Schweiz - 3003 Bern

