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MitteilungVeröffentlicht am 20. August 2026

Wie könnte eine standortangepasste Landwirtschaft aussehen?

Eine parzellenscharfe Modellierung des Potenzials für Ackerbau- und Tierhaltung und deren Umweltwirkungen in drei Beispielregionen zeigt je nach Region eine andere Lösung für eine standortangepasste Landwirtschaft. Die Tragfähigkeit der Ökosysteme konnte im Modell mit einer angepassten Produktion überall verbessert und überwiegend eingehalten werden.

Bild einer Landschaft aus der Vogelperspektive. Dabei sind auf den Feldern Diagramme abgebildet.

Studie zu standortangepasstem Ackerbau und standortangepasster Tierhaltung

Im Rahmen des Forschungsprojekts Stalawi haben Agroscope und das Bundesamt für Landwirtschaft drei Regionen in der Schweiz ausgewählt und für diese je ein Szenario für einen standortangepassten Ackerbau und eine standortangepasste Tierhaltung erarbeitet. Ziel war es, das agronomische Potenzial der einzelnen Flächen (z.B. Klima, Boden) optimal zu nutzen und dabei zwei Grundsätze des Zukunftsbildes im Bericht des Bundesrates zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik umzusetzen. Diese sind: prioritäre Nutzung der Ackerflächen für die direkte menschliche Ernährung und Wiederkäuerfütterung auf der Basis von Grünland und Verwertung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelherstellung. Diese regionalen Szenarien wurden anschliessend hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und die Tragfähigkeit der lokalen Ökosysteme untersucht. Für die Studie wurden Regionen ausgewählt, die sich in ihrer Ausgangslage und ihren Entwicklungspfaden unterscheiden:

  • Region A mit einer Zunahme an Ackerbau im standortangepassten Szenario
  • Region B mit einer Zunahme an Grünland und
  • Region C mit beidseitigen Veränderungen.

Vorgehen

Erster Schritt: standortangepasste Fruchtfolgen für die drei Regionen: Sie setzten sich aus Getreide (Winterweizen, Winterroggen), Hackfrüchten (Kartoffeln, Zuckerrüben, Körnermais), Hülsenfrüchten (Soja, Linsen), Ölfrüchten (Raps, Sonnenblumen) und Gemüsekulturen (Karotten, Zwiebeln) zusammen. Um Fruchtfolgeregeln wie Anbaupausen einzuhalten, wurde bei Bedarf Kunstwiese integriert. Sie wurde zudem an Standorten eingesetzt, an denen ein erhöhtes Eintragungsrisiko von Pflanzenschutzmitteln in Gewässer bestand.

Zweiter Schritt: standortangepasste Tierhaltungssysteme. Dazu wurden Grasertrag und Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion für die jeweiligen Regionen ermittelt und daraus die maximal mögliche Anzahl und Zusammensetzung an raufutterverzehrenden Nutztieren pro Betrieb abgeleitet. Andere Tierkategorien wurden nicht einbezogen.

Dritter Schritt: Auswirkungen dieser Veränderungen in Ackerbau und Tierhaltung auf die Umwelt. Als Mass zur Einhaltung der langfristigen Tragfähigkeit der Ökosysteme wurden die Zielwerte der Umweltziele Landwirtschaft (UZL), beziehungsweise Indikatoren des Monitorings des Agrarumweltsystems Schweiz (MAUS), herangezogen.

Mehr Lebensmittel für die direkte menschliche Ernährung, weniger Raufutterverzehrer

Durch die stärkere Ausrichtung der Landwirtschaft auf das Zukunftsbild ergaben sich im Vergleich zur jetzigen Bewirtschaftung folgende Veränderungen: Insgesamt werden mehr Kulturen für die direkte menschliche Ernährung und mehr Biodiversitätsförderflächen (BFF) angebaut, hingegen werden weniger Kunstwiesen bewirtschaftet und weniger raufutterverzehrende Tiere gehalten. Im Detail verhalten sich die drei Regionen jedoch unterschiedlich.

Mehrheitlich positive Entwicklung der Umweltwirkungen

Die Umweltwirkungen verbessern sich dabei im Vergleich zur IST-Situation von 2021 überwiegend. So waren Ammoniak- und Treibhausgasemissionen reduziert, Stickstoff- und Phosphor-Bilanzen verbessert und Kupfer- und Zinkbelastungen verringert. Diese Verbesserungen waren sowohl auf die angepasste Ackernutzung als auch auf die Reduktion der Tierbestände zurückzuführen. Gleichzeitig gab es auch Verschlechterungen im standortangepassten Szenario: Der Bodenabtrag durch Erosion lag in allen Regionen über dem Niveau von 2021, blieb aber im akzeptablen Bereich. Die erwartete Belastung der Oberflächengewässer durch Pflanzenschutzmittel blieb auf einem ähnlichen Niveau. In Region A nahmen – durch die Zunahme des Ackerbaus – sowohl die Qualität der Biodiversität als auch die Humusbilanz ab. Dies war in den Regionen B und C nicht der Fall.

Optimum noch nicht erreicht

Die Analyse der Transformation hin zu einer standortangepassten Landwirtschaft zeigt insgesamt, dass regionale Unterschiede die Anpassungswege stark beeinflussen und je nach Standort auch zu unterschiedlichen Lösungen führen. Dabei verbesserten sich die meisten Umweltwirkungen im regionalen Durchschnitt, wobei jedoch einzelne Flächen die Zielwerte immer noch überschreiten können. Das entwickelte, standortangepasste Szenario stellt noch kein Optimum dar. Durch weitere Anpassungen in landwirtschaftlichen Strukturen und der Bewirtschaftung könnten die Umweltwirkungen weiter verbessert werden.

Grundlagen für eine standortangepasstere Produktion

Insgesamt zeigt das Projekt damit nicht nur das Potenzial einer stärker standortangepassten Produktion, sondern auch den bestehenden Forschungs- und Anpassungsbedarf. Eine standortangepasste Landwirtschaft nutzt die agronomischen und ökonomischen Potenziale eines Standortes und hält dabei die Tragfähigkeit der Ökosysteme ein. Eine nachhaltige landwirtschaftliche Bewirtschaftung sollte sowohl regionalen und nationalen Zielen als auch den spezifischen Möglichkeiten jeder einzelnen Parzelle gerecht werden. Die integrative Betrachtung aller Ebenen – von Parzelle bis zur Landschaft, vom Betrieb bis zum Konsum – bildet damit eine zentrale Voraussetzung für eine Landwirtschaft, die die ökologische Tragfähigkeit erhält und gleichzeitig eine standortgerechte Nutzung ermöglicht.

Bisher berücksichtigen die Analysen vor allem agronomische und ökologische Faktoren. Eine standortangepasste Produktion umfasst jedoch ebenso ökonomische und soziale Aspekte. Für Betriebe bedeutet die Umsetzung der modellierten Anpassungen organisatorische Herausforderungen, die sich auch wirtschaftlich rechnen müssen. Agroscope und das BLW werden diese Dimensionen in den kommenden Jahren verstärkt in ihre weiteren Arbeiten zu standortangepassteren Produktion einbeziehen.

Weiterführende Informationen

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