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Veröffentlicht am 7. Oktober 2025

Standortangepasste Landwirtschaft

Der Boden, das Klima und die Topografie beeinflussen das Produktionspotenzial jeder landwirtschaftlichen Nutzfläche. Daher können und sollen nicht alle Standorte gleich bewirtschaftet werden. Eine standortangepasste Landwirtschaft nutzt das agronomische und ökonomische Potenzial des jeweiligen Standortes optimal, ohne dabei die Tragfähigkeit der Ökosysteme zu überschreiten.

Eine standortangepasste Landwirtschaft nutzt das Potenzial eines Standorts optimal.

Eine standortangepasste Landwirtschaft in Kürze

Jeder Standort hat individuelle Potenziale und naturräumliche Besonderheiten für die landwirtschaftliche Produktion. So bestimmen unter anderem der Boden und das Klima, ob eine Parzelle als Ackerland genutzt werden kann oder ob die Nutzung als Dauergrünland vorzuziehen wäre.

Eignet sich die Fläche als Ackerland, so bestimmen Boden, Klima und Topografie, welche Kulturen und Fruchtfolgen auf der Fläche angebaut werden können. Dabei ist zum Beispiel der Anbau von Gemüse auf weniger Flächen möglich als der Anbau von Getreide.

Weiter beeinflussen die Nähe zu Gewässern, der Gehalt der Böden an organischer Substanz, Biodiversitätsförderflächen oder die Nähe zu sensiblen Ökosystemen das Management.

Basierend darauf soll die Produktion wirtschaftlich optimiert werden. Ausschlaggebend hierfür sind unter anderem Verarbeitungs- und Absatzmöglichkeiten.

Die agronomischen, ökonomischen und ökologischen Besonderheiten eines Standorts bedürfen also einer angepassten Bewirtschaftung. So soll gewährleistet werden, dass die ökologische Tragfähigkeit einer Region erhalten bleibt. Die Umweltziele Landwirtschaft beschreiben dabei den Zustand, mit dem die langfristige Erhaltung der Tragfähigkeit der Ökosysteme und der Ökosystemleistungen gewährleistet werden kann.

Jede Parzelle sollte also möglichst angepasst auf das lokale Potenzial und deren räumliche Besonderheiten bewirtschaftet werden. Das heisst aber auch: Es gibt keine Einheitslösungen, eine standortangepasste Landwirtschaft ist sehr divers.

Gesetzliche Grundlagen und Hintergründe

Um die Ernährungssicherheit zu garantieren, schafft der Bund Voraussetzungen für eine standortangepasste und ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion. So steht es in der Schweizerischen Bundesverfassung (Art. 104a).

Was genau eine standortangepasste Landwirtschaft ausmacht, wurde erstmals in der Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) definiert.

«Eine standortangepasste Landwirtschaft nutzt die standortspezifischen agronomischen, ökonomischen und ökologischen Potenziale für die Lebensmittelproduktion unter Berücksichtigung der ökologischen Tragfähigkeit der Ökosysteme. Die Umweltziele Landwirtschaft beschreiben den Zustand, mit dem die langfristige Erhaltung der Tragfähigkeit der Ökosysteme und der Ökosystemleistungen gewährleistet werden kann.»

Im Jahr 2022 wurde die Verbesserung der Standortanpassung als Handlungsfeld in der Strategie zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik aufgenommen (Postulatsbericht). Eine verstärkte Ausrichtung der Produktion auf die Standortbedingungen wird gefordert. Zur Stärkung der Versorgungssicherheit soll das Dauergrünland mit standortangepasster Nutzungsintensität zur Milch- und Fleischproduktion genutzt werden. Auf den Ackerflächen sollen vermehrt Kulturen zur direkten menschlichen Ernährung angebaut werden.

Auch die Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050 hat die standortangepasste Landwirtschaft zum Ziel. So soll die inländische landwirtschaftliche Produktion klima- und standortangepasst erfolgen und dabei das Produktionspotenzial des Standortes sowie die Tragfähigkeit der Ökosysteme berücksichtigen.

Viele Grundlagen bestehen bereits

Um Potenziale und Besonderheiten eines Standorts zu (er)kennen, stehen heute bereits viele Hilfsmittel zur Verfügung. Jedoch fehlt bis heute eine Möglichkeit, diese Informationen als Grundlage für eine regionale Planung und Beratung aufzubereiten. Arbeiten in diese Richtung sind derzeit im Gange.

Bereits vorhanden sind Karten zu den folgenden Themen (Liste ist nicht abschliessend):

Agroscope hat erste Berechnungen gemacht, welche landwirtschaftlichen Nutzflächen Potenzial haben, als Ackerfläche genutzt zu werden.

Aktuelle Situation

Die Umweltziele Landwirtschaft werden noch nicht alle überall eingehalten und somit die Tragfähigkeit der Ökosysteme teilweise überschritten. Daher sollte das Potenzial genutzt werden, die heutige Bewirtschaftung standortangepasster zu gestalten. Dies kann sowohl durch die Kulturwahl, ein angepasstes Management oder auch mit Massnahmen, die zu mehr Ressourceneffizienz führen, erfolgen.

Die Erreichung gewisser Umweltziele im Bereich Landwirtschaft wird durch das «Monitoring des Agrarumweltsystems Schweiz (MAUS)» beobachtet. Für andere Ziele sind Daten zum Umweltzustand nötig. Hier liefern zum Beispiel die «Nationale Grundwasserbeobachtung (NAQUA)» oder die «Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA)» des BAFU eine aktuelle Übersicht über die Zielerreichung.

Zukunft

Um das Potenzial einer standortangepassten Landwirtschaft in der Schweiz voll auszuschöpfen, sind Anpassungen nötig: Wo möglich sollen Ackerflächen prioritär für den Anbau von Kulturen zur direkten menschlichen Ernährung genutzt werden. Wiederkäuer sind, soweit sinnvoll und möglich, graslandbasiert zu ernähren.

Dazu sind weitere Anpassungen auf Parzellenebene empfehlenswert. Für die korrekte Kulturwahl und die Umsetzung möglicher Bewirtschaftungsmassnahmen fehlt momentan jedoch die Grundlage. Daran arbeitet Agroscope. Langfristig ist das Ziel, eine Grundlage zu schaffen, mithilfe derer eine Beratung eines einzelnen Betriebs sowie eine regionale Planung möglich wird.

Weiterführende Informationen