Modellierung

Analysen der internationalen Handelspolitiken im Fachbereich Handelsbeziehungen

Welche Auswirkungen haben die Freihandelsabkommen auf die Schweizer Landwirtschaft? Wie soll die Schweiz ihre Verhandlungsposition optimal ausrichten? In Zusammenarbeit mit der Gruppe Sozioökonomie des Instituts für Nachhaltigkeitswissenschaften (INH) von Agroscope verwendet das BLW wirtschaftliche Simulationsmodelle, um eine breite Palette an Szenarien zu analysieren.


Der Fachbereich Internationale Handelspolitik (FBIH) des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) stützt sich auf quantitative Instrumente, um die Auswirkungen von multilateralen und regionalen Handelsabkommen zu beurteilen und den Standpunkt für internationale Handelsverhandlungen zu definieren. Derzeit werden zwei Modelle eingesetzt: das Tariff Reduction Impact Model for Agriculture (TRIMAG) und das Marktmodul des Common Agricultural Policy Regionalized Impact Model (CAPRI).

Das TRIMAG-Modell wurde vom FBIH entwickelt. Seine Datenbank umfasst Inland- und Weltmarktpreise, Zölle und Handelsströme auf möglichst hoher Desaggregationsstufe (Zolltariflinie oder «8 digits» im so genannten Harmonisierten System).

Einsatzgebiete von TRIMAG:

  • Als Unterstützung bei der Auswahl sensibler Zolltariflinien in WTO-Verhandlungen. Nach Anwendung der Zollsenkungsformeln und unter Berücksichtigung aller möglichen Kombinationen von Standard- und sensiblen Tariflinien optimiert TRIMAG den Mehrwert der Inlandproduktion im Hinblick auf eine maximale Anzahl sensibler Tariflinien.
  •  Als Instrument zur Aggregation von Tariflinien von der Stufe «8 digits» bis zu jener Stufe, die in den Simulationsmodellen (z. B. CAPRI-Modell) erforderlich sind. Die aggregierten Tariflinien werden unter Berücksichtigung der Substitutionseffekte beim Konsum über Tariflinien, die dem gleichen aggregierten Produkt entsprechen, berechnet.
  • Als Unterstützung bei der Detailanalyse der Verhandlungspositionen in internationalen Handelsverhandlungen.
    CAPRI ist ein partielles Gleichgewichtsmodell, das im Rahmen von verschiedenen Forschungsprojekten, die von der Universität Bonn koordiniert wurden, entwickelt wurde.
  • Das Marktmodul besteht aus einem komparativ-statischen Multi-Commodity-Raummodell des Agrarsektors. Das Modell umfasst rund 50 primäre und sekundäre Agrarprodukte für 77 Länder, die den Handel für 40 Handelsblöcke darstellen. Seit 2011 wird die Schweiz als eigener Handelsblock aufgeführt. Die internationalen Handelspolitiken werden für alle regionalen Handelsblöcke dargestellt; für die Schweiz werden die aggregierten Zölle aus dem TRIMAG-Modell geliefert. Das Marktmodul von CAPRI kann für die Schweiz Auskunft geben über Ein- und Ausfuhren, Produktion, Produzenten- und Konsumentenpreise sowie die wirtschaftliche Wohlfahrt.

Die Kombination von TRIMAG und CAPRI ergibt eine hohe Präzision bei der Anwendung von Zollsenkungsformeln (wie sie von den politischen Entscheidungsträgern in internationalen Verhandlungen gefordert werden) mit der Möglichkeit, die Auswirkungen einer Liberalisierung des Handels auf den Agrarmärkten auf aggregierter Ebene zu beurteilen.

Weiterführende Informationen

Publikationen

  • Analyse de l’impact sur le marché laitier du supplément pour le lait transformé en fromage. Recherche Agronomique Suisse 5 (5): 212–215. Giulia Listorti, Axel Tonini, 2014.
  • How to Implement WTO Scenarios in Simulation Models: Linking the TRIMAG Tariff Aggregation Tool to Capri. 135th EAAE Seminar, Belgrade, Serbia, 28-30 August. Giulia Listorti, Axel Tonini, Markus Kempen, Marcel Adenäuer (2013).
  • Evaluating existing policy flexibilities in WTO agricultural negotiations: different criteria for the selection of sensitive products. 122nd EAAE Seminar, Ancona, Italy, 17-18 February. Giulia Listorti, Markus Kempen, Jean Girardin, Tim Kränzlein (2011).
  • Do price uncertainties affect the use of policy flexibilities? The selection of sensitive products in WTO agricultural negotiations. EAAE 2011 Congress, Zurich, Switzerland. August 30 to September 2. Giulia Listorti, Markus Kempen, Jean Girardin, Tim Kränzlein (2011)
  • The Swiss payment for milk processed into cheese : ex post and ex ante analysis. Agricultural Economics, Volume 48, Issue 4, pages 437-448. Robert Finger, Giulia Listorti, Axel Tonini (2017)

Letzte Änderung 06.06.2018

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